Sabine W. hat zwei Monate Freiwilligenarbeit in Rajasthan/Indien geleistet. Hier ist ihr Erfahrungsbericht:
„Da ich Indien schon mal bereist habe, wusste ich wenigstens was für ein Chaos mich in den indischen Städten erwarten wird. Das indische Land und die Wüste konnte ich gar nicht einschätzen. Aber ich habe mich schon sehr auf die Menschen dort gefreut, denn die sind eigentlich in ganz Indien sehr freundlich!
Erwartungen an das Projekt selbst hatte ich kaum. Ich ging einfach davon aus, dass ich entweder Kinder unterrichten oder einfach betreuen werde.
Das gesamte Programm war super, allerdings gerade NICHT so, wie ich es mir vorgestellt habe! Ich bin davon ausgegangen, dass alles etwas schwieriger, anstrengender und primitiver ist. Ich war also absolut positiv überrascht!
In den Einführungstagen in Jaipur war alles, entgegen indischer Gewohnheit, super organisiert
Selbst wenn man trotzdem noch Fragen hatte, konnte man sich jederzeit an die Mitarbeiter vor Ort wenden. Das Camp in Shiv war sauber und wirklich schön! Ich habe es mir viel ‘ursprünglicher’ vorgestellt und freute mich über volle Kühlschränke mit Wasser, Cola, Fanta usw.! Es gab 2 PCs mit Internetanschluss…was will man mehr? Es hat also an so gut wie nichts gefehlt! An meinem ‘Arbeitsplatz’ habe ich mich sooo wohl gefühlt! Ich war einem Day Care Center und hab schon nach wenigen Tagen die Kinder, alle zwischen 2-14 Jahre, sehr ins Herz geschlossen… und sie mich auch! Die 8 Wochen gingen schnell rum und ich vermisste mein zu Hause gar nicht so oft, wie ich es erst vermutete!
Mein Tagesablauf sah ca. so aus:
Halb acht gab es für die, die es wollten, jeden Tag einen einstündigen Yogaworkshop! Ab um neun dann Frühstück. Zehn Uhr hieß es dann Besprechung der Arbeitsgruppen, was heute mit den Kindern gemacht werden soll! Es werden alle Materialien zusammengepackt für den Tag und 10:40 Uhr wurden wir mit unserem Bus zum Day Care Center gefahren. Dort hatten wir 1 1/2 Stunden Zeit.
Weil die Kinder dort hin kommen, weil zu Hause sonst keiner ist, brachten wir Stabilität in ihren Tagesablauf indem wir immer erst Zähne putzten und dann Hände gewaschen haben. Das hat den Kleinen auch toll gefallen. Ansonsten haben wir immer versucht, ihnen einfaches Englisch wie Farben, Tiere, Zahlen usw. beizubringen.
Der Bus brachte uns dann wieder ins Camp. Dort gab es kurz nach eins Mittag… immer lecker! Wer sich dafür entschieden hat, auch nachmittags zu unterrichten, hatte 14 Uhr das nächste Meeting und ging gegen 15Uhr wieder los. Ich blieb im Camp. Man konnte Bücher aus dem RecRoom (auch in verschiedenen Sprachen, sie wurden von früheren Freiwilligen da gelassen) lesen oder einfach in der Sonne entspannen (es ist sehr heiß gewesen!)
Um19Uhr gab es Abendesse. Danach war dann nicht mehr viel los.
Man saß abends noch auf der Terrasse vor den Hütten, denn das war die einzige Tageszeit in der es nicht mehr über 40 Grad heiß war, und redet und bestaunt den Sternenhimmel, der mit dem in Deutschland nicht zu vergleichen ist
Bis kurz vor Sonnenuntergang gab es die Möglichkeit Volleyball oder Badminton zu spielen! Und natürlich musste man immer wieder Wäsche waschen!
Übers Wochenende wurden immer Ausflüge auf eigene Faust unternommen! Meist ging es mit dem öffentlichen Bus nach Jaisalmer. 100km in 2Stunden! Die Stadt ist ein Shoppingparadies! Man kann auch Touren nach Bikaner, Jodpur und Udaipur unternehmen oder, natürlich, einfach mal ein Wochenende ganz in Ruhe im Camp bleiben!
Gemeinsam mit anderen Teilnehmern haben wir auch hin und wieder ‘Malerarbeiten’ an den Wänden unseres Camps vorgenommen. So hat z.B. unser Shop einen tollen Anstrich im Dschungel-Design bekommen!
Mir haben das Land und die Kultur sehr gut gefallen und mein Kontakt zu den anderen Freiwilligen und den Einheimischen war auch gut. Das indische Landleben hat mich erst erschreckt, denn es ist mit nichts zu vergleichen! Alles ist sehr primitiv und macht das sowieso schon schwere Leben der Menschen noch schwieriger. Aber das Gefühl des ‘Mitleids’ wich dann etwas, nachdem man sah, wie glücklich die Menschen mit ihrem Dasein waren. Man wurde nachdenklich, weil in unserer Zivilisation schon bei viel weniger Schwierigkeiten ein riesen Tamtem gemacht wird! Ich beneide die Leute um ihre Fähigkeit, mit dem Wenigsten zurechtzukommen und dabei in völliger Zufriedenheit zu leben und immer freundlich und sehr hilfsbereit gegenüber Fremden zu sein! Die Kinder sind natürlich sehr wild, aber abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen sind sie sehr lieb und scheinen die Freiwilligen sehr ins Herz zu schließen. Es gab keinen Hinweis, dass unsere Arbeit in Indien in irgendeiner Weise abgelehnt wurde. Das war toll!
Am Schönsten war, dass man viele liebe Menschen im Camp kennengelernt hat, mit denen man in der Freizeit und am Wochenende Zeit verbringen und Spaß haben konnte. Das ist aber Nichts, gegen das Gefühl, von den Kindern mit denen man arbeitet, wirklich gern gehabt zu werden! Unsere DayCareCenter-Kinder hingen sehr an uns und wir freuten uns jeden Tag darauf, wieder zu ihnen zu kommen zu können! Das hätte ich nie erwartet! Das hat mich bei den ganzen 8 Wochenprogramm am glücklichsten gemacht!
Die Informationen und Reiseunterlagen von Praktikawelten waren, fürs Erste, sehr hilfreich. Vor allem das Heftchen für die Reisevorbereitung hat weitergeholfen! Durch das Senden der Projektunterlagen konnte man sich auch ein genaueres Bild von der Arbeit vor Ort machen! Bei Fragen per Mail wurde meist schnell geantwortet. Wenn mal keine Antwort kam, war es kein Problem, sich telefonisch zu melden! Mir wurde freundlich und sehr schnell weitergeholfen. Was ich etwas vermisst habe, waren detaillierte Informationen zur Lage des Projekts, die mir dann auf Anfrage mitgeteilt wurden. Für alle Wege westlich vom Camp benötigt man schon eine behördliche Genehmigung, weil es schon zum ‘Niemandsland’ zu Pakistan zählt. Dadurch dass Rajasthan so groß ist, rechnet man sicher nicht mit DER Entfernung! Einige hatten sich sicher etwas ganz anderes vorgestellt und kamen mit den dortigen Umständen doch nicht so gut klar.
Die Betreuung durch das Team vor Ort war super, genau nach meinen Vorstellungen. Da gab es gar nichts zu meckern! In Jaipur, in den Einführungstagen, wurde sich prima um uns gekümmert. Im Camp in Rajasthan konnte man sich mit jedem noch so kleinen Problem, sowohl an den Camp-Manager als auch an jeden anderen Mitarbeiter wenden und es wurde sich sofort gekümmert! Selbst als es eine Woche vor meiner Abreise eine kleine ‘Epidemie’ im Camp gab (ein Virus legte viele der Freiwilligen flach) wurde sich rührend gekümmert! Es wurde Essen und Trinken (nach Wunsch auch Medikamente) ans Bett gebracht. Hin und wieder wurde auch der Arzt aus Shiv ins Camp bestellt und, bei dem besagten Virus, wurde sogar ein Transport nach Barmer ins Krankenhaus auf die Beine gestellt! Man hat sich auf jeden Fall immer sicher und wohl gefühlt!
Mir ist vor allem klar geworden, dass wir uns in Deutschland gar nicht bewusst sind, wie gut es uns geht! In Indien geht es so vielen Menschen schlecht, aber sie fügen sich und sind damit auch noch glücklich. kaum einer beschwert sich! Ich will mein Leben bewusst mehr genießen. Natürlich habe ich auch durch die vielen verschiedenen Nationen, die im Camp waren, viele Erfahrungen sammeln können. Allerdings war die indische Kultur natürlich wesentlich prägender!
Ich glaub, hier kann ich mich kurz fassen: Es war absolut richtig diesen Auslandsaufenthalt zu machen!! 8Wochen waren perfekt! 4Wochen reichen nicht!!! Ich werde diese Zeit sehr vermissen!
Aber:Wer noch halbwegs Platz im Koffer hat, sollte Material mitbringen!Das Team vor Ort selber bietet für ALLE Projekte insgesamt 4 Bücher aus denen sich jeder was rauskopieren kann, meist nur das ABC! Also nicht sehr viel! Der Rest wurde von früheren Freiwilligen im Camp selbst gebastelt oder von zu Hause mitgebracht! Das Material an Arbeitsmaterialien ist sehr (!) gering! Wer also Flashcards, Aufkleber, Bücher oder sonst was hilfreiches in englischer Sprache mitbringen könnte: Es wird SEHR benötigt!
Hier noch ein paar Tips – Was man mitbringen sollte:
Für die Nächte in der Wüste ist es wichtig, ein Moskitonetz mitzubringen. Zwar gibt es einige im Camp, die frühere Volunteere dagelassen haben (ja, ich auch!
) aber sie sind oft alt und sie reichen nicht für alle! Übern Tag ist es sicher hilfreich, Sonnencreme zu benutzen, denn die Sonne brennt!
Hin und wieder war ich auch froh, mein Handdeinfektionsmittel mitgenommen zu haben! Inden ist und bleibt eben sehr dreckig und nach einer Fahrt mit dem öffentlichen Bus ist das Verlangen nach sauberen händen enorm!
Man sollte sich, je nach Aufenthaltsdauer, auch ordentlich viel Waschmittel mitbringen!
Ein Schlafsack empfiehl sich vor allem für die Übernachtfahrt mit der Bahn und als Unterlage auf zweifelhaften Hotelbetten. Außerdem wurde es ab Mitte November Nachts sehr kalt!
Medikamente!! Lieber zu viel als zu wenig! Auf jeden Fall gegen Durchfall (UND das Gegenteil
)und Wunddesinfektion müssen mit!
Sonstiges:
Wer das Rajasthan-Projekt macht, sollte kein gespaltenes Verhältnis zu Dreck und Unordnung haben! So lustig wie es klingt, aber die Städte sind unglaublich verdreckt. Die Straßen dienen als Müllplatz und das DARF einem einfach nicht stören sonst wird man von den Einheimischen nur verständnislos angeguckt!
Natürlich muss man, wie in jedem anderen Land auch, immer offen gegenüber den Menschen und deren Kultur sein! Bei Indern ist vielleicht auch ein gesteigertes Maß an Geduld nicht falsch, denn alles dauert länger und ist am Ende doch nicht so, wie es eigentlich sein sollte. Aber das ist ja das Tolle! Man muss es mögen!!
Lernmaterial für alle Altersgruppen mitbringen!! Das wäre enorm hilfreich!
Wichtig: Alles möglichst in englischer Sprache!“
Wir freuen uns auch auf deinen Bericht – einfach per Email an info@freiwilligenarbeit-indien-nepal.de.